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„Wir haben unglaublich viel gelernt!“

Projekt „Hand in Hand for International Talents“ verabschiedet sich aus Vietnam.

© Hand in Hand for International Talents

Mit dem Ende der Zusammenarbeit in Vietnam blickt das Projekt „Hand in Hand for International Talents“ auf viele Erfahrungen zurück. Im Interview erzählen die Projektleiterinnen Anine Linder und Carolin Ruppert, welche Erkenntnisse sie aus der Zusammenarbeit mitgenommen haben, welche Besonderheiten sie überrascht haben und warum faire Migration gerade in Vietnam so wichtig ist.

Vietnam war eines der ersten Partnerländer des Projekts. Welche Rolle hat das Land für „Hand in Hand for International Talents“ gespielt?

Anine Linder: Vietnam war seit Projektstart 2020 ein sehr wichtiges Partnerland für uns. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie gab es großes Interesse deutscher Unternehmen an vietnamesischen Fachkräften. Viele Betriebe hatten bereits positive Erfahrungen gemacht oder waren gerade im Osten Deutschlands aufgrund der langjährigen Beziehungen sehr offen für Bewerberinnen und Bewerber aus Vietnam. Dadurch konnten wir früh viele Vermittlungen realisieren und wichtige Erfahrungen sammeln.

Was hat die Zusammenarbeit mit Vietnam besonders gemacht?

Carolin Ruppert: Uns ist schnell aufgefallen, wie groß die Motivation der Fachkräfte ist. Viele investieren enorm viel Zeit und Energie, um Deutsch zu lernen und sich auf ein Leben in Deutschland vorzubereiten. Man muss sich immer vor Augen führen, dass die Sprachen sehr weit auseinander sind. Wenn man selbst einmal versucht hat, ein paar Wörter Vietnamesisch zu sprechen, bekommt man erst ein Gefühl dafür, wie anspruchsvoll dieser Weg ist. Deshalb wünschen wir uns manchmal mehr Wertschätzung dafür, welche Leistung die Fachkräfte bereits erbringen, bevor sie überhaupt nach Deutschland kommen. 

War die Sprache auch eine der größten Herausforderungen beim Matching mit Unternehmen?

Anine Linder: Ja, gerade im technischen Bereich haben wir gemerkt, dass gute Sprachkenntnisse entscheidend sind. Deshalb wurden die Sprachkurse später angepasst und auf Vollzeit umgestellt. Dafür mussten viele Teilnehmende ihren bisherigen Arbeitsplatz aufgeben und sogar umziehen, um mehrere Monate ausschließlich Deutsch zu lernen.

Welche kulturellen Unterschiede haben euch besonders überrascht?

Anine Linder: Ein großes Thema war die Familie. Entscheidungen über die Auswanderung werden häufig gemeinsam getroffen. Eltern spielen dabei eine viel wichtigere Rolle, als wir es aus Deutschland kennen. Zum Teil sind die Eltern sogar mit ihren erwachsenen Kindern zu Projektveranstaltungen gekommen. Wir haben daraufhin auch unsere Kommunikation angepasst und zum Beispiel Informationsmaterialien gedruckt, die die Teilnehmenden zu ihren Familien mit nach Hause nehmen konnten. Das war für viele deutlich hilfreicher als rein digitale Informationen.

Gab es auch Unterschiede im Arbeitsalltag?

Anine Linder: Ja, besonders im Hotel- und Gaststättengewerbe. Viele Fachkräfte kamen aus großen internationalen Hotels mit sehr klaren Hierarchien und einer starken Arbeitsteilung. In Deutschland, gerade in kleineren Betrieben, arbeiten die Teams häufig deutlich flexibler. Da packen alle überall mit an. Dieser Perspektivwechsel musste oft erst erklärt werden. 

Carolin Ruppert: Gleichzeitig waren manche überrascht, wie unterschiedlich das Leben in einer ländlichen Region in Deutschland im Vergleich zu Vietnam sein kann. Viele kamen auch aus Großstädten, wie die Millionenstadt Ho-Chi-Minh-Stadt. Das ist noch mal eine ganz andere Dimension.

Ein wichtiges Thema war immer wieder die faire Migration. Warum gerade in Vietnam?

Anine Linder: In Vietnam gibt es eine hohe Bereitschaft, Geld in die eigene berufliche Zukunft zu investieren. Es gibt eine regelrechte Kultur, dass eine Ausbildung, die nichts kostet, auch nichts wert ist. Leider führt das auch dazu, dass unseriöse Vermittlungsangebote hohe Gebühren verlangen. Teilweise verschulden sich Familien dafür erheblich. Deshalb war es uns besonders wichtig zu zeigen, dass internationale Fachkräftegewinnung auch transparent und fair funktionieren kann. Unser Projekt war für die Fachkräfte kostenfrei. Das hat anfangs für Verwunderung gesorgt, weil viele davon ausgingen, dass ein seriöser Vermittlungsprozess zwangsläufig Geld kosten müsse.

Was ist euch von eurem Besuch in Vietnam besonders in Erinnerung geblieben?

Anine Linder: Vor allem die enorme Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Wir wurden überall mit großer Offenheit empfangen und haben gespürt, wie groß das Interesse an einer Zusammenarbeit mit Deutschland war. Beeindruckt hat uns außerdem die hohe Professionalität der Ausbildungseinrichtungen, insbesondere im Hotel- und Gastrobereich. Gleichzeitig haben wir erlebt, wie viel Engagement die Teilnehmenden mitbringen. Viele reisten stundenlang an, um an Informationsveranstaltungen teilzunehmen, und brachten sogar selbst zubereitete Speisen mit. Diese Begegnungen bleiben in Erinnerung.

Welches Fazit zieht ihr aus der Zusammenarbeit mit Vietnam?

Carolin Ruppert: Vietnam hat unser Projekt geprägt. Wir haben nicht nur erfolgreich 99 Vermittlungen begleitet, sondern auch viel über faire Migration, kulturelle Unterschiede und gute Integrationsprozesse gelernt. Dafür sind wir sehr dankbar. Ein besonderer Dank geht an die Auslandshandelskammer Vietnam für die sehr gute konstruktive Zusammenarbeit bei der Begleitung der Fachkräfte vom ersten Kontakt bis zur Ausreise nach Deutschland.

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Kontakt

Projektbüro bei der DIHK Service GmbH
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Hand in Hand for International Talents

Beruflich qualifizierten Menschen aus Drittstaaten eine faire und sichere Zuwanderung zu ermöglichen und damit für Betriebe hierzulande Fachkräfte zu sichern – das ist das Ziel des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. ​Mit „Hand in Hand for International Talents“ entwickeln und erproben wir seit 2020, wie das in der Praxis mithilfe von IHKs und AHKs umgesetzt werden kann. Dazu begleiten wir mit der Bundesagentur für Arbeit, AHKs, IHKs und der IHK FOSA Betriebe bei der Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland. Mit den Erfahrungen wollen wir eine Blaupause schaffen, wie die Umsetzung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes auch in anderen Ländern und weiteren Berufen realisiert werden kann.​