Pfadnavigation

Teilqualifikationen als strategisches Instrument

Rückblick auf unsere Dialog-Veranstaltung vom 24.04.2026
Teilqualifikationen

© Chancen Nutzen/DIHK Service GmbH

Die jüngste Ausgabe der Dialog-Reihe „Macherinnen & Problemlöserinnen“ der DIHK Service GmbH widmete sich am Freitag, den 24.04.2026 mit über 100 Teilnehmern einer der drängendsten Fragen des deutschen Arbeitsmarkts: Wie können Unternehmen Menschen mit veralteten oder fehlenden Qualifikationen gezielt für neue Aufgaben fit machen – und wie gelingt der Übergang von Arbeit in Arbeit ohne Brüche?

Transformation trifft Fachkräftemangel

Gleich zu Beginn wurde deutlich: Viele Unternehmen stehen unter massivem Transformationsdruck – insbesondere in industriell geprägten Regionen wie Hannover. Während einige Betriebe Personal abbauen müssen, suchen andere händeringend Fachkräfte. Doch offene Stellen und Qualifikationsprofile passen oft nicht zusammen – besonders bei An‑ und Ungelernten. Damit wird Qualifizierung zum Schlüsselthema.

Teilqualifikationen als strategisches Instrument

Ein Schwerpunkt der Diskussion war das Potenzial von Teilqualifikationen (TQ). Sie ermöglichen Beschäftigten, schrittweise einen anerkannten Berufsabschluss nachzuholen – modular, praxisnah und mit hoher Akzeptanz.

Theresa Riefenstahl vom CITT, dem Kompetenzzentrum für Transformation (ehemals Continental-Bildungsträger), schilderte eindrucksvoll, warum TQ für Unternehmen und Beschäftigte so attraktiv sind:

  • kurze Bildungseinheiten  (3–6 Monate) statt 2‑jähriger Umschulung
  • Praktikumsphasen im Betrieb
  • frühe Erfolgserlebnisse durch IHK‑Zertifikate
  • hohe Bindung an den Arbeitgeber
  • ideal für Menschen mit negativen Lernerfahrungen

Regionale Arbeitsmarktdrehscheiben: Übergänge organisieren statt Brüche verwalten

Gerrit Wolske von der Bundesagentur für Arbeit beschrieb das zentrale Problem so:

Wir haben ein Paradox: Unternehmen bauen ab – und gleichzeitig fehlen überall Fachkräfte.

Die Lösung: Arbeitsmarktdrehscheiben, die abgebende und aufnehmende Unternehmen regional vernetzen und Qualifizierungslücken gezielt schließen.

Wichtig dabei:

  • individuelle Beratung der Beschäftigten
  • Förderinstrumente wie die Weiterbildungsförderung (Qualifizierungschancengesetz)
  • Kooperation zwischen BA, IHK, Unternehmen und Bildungsträgern
  • regionale Betrachtung entlang realer Pendelräume

Ein Praxisbeispiel: Ein Gabelstaplerfahrer aus einem Automobilzulieferer wechselte – nach gezielter Qualifizierung – in die Bauindustrie und wurde dort Baggerfahrer.

Die Rolle der IHK: Qualität, Vertrauen, Kompetenzfeststellung

Silke Richter (IHK Hannover) betonte die Bedeutung der IHKs als verlässliche Partner:

  • Goldstandard bei Kompetenzfeststellung und Zertifikaten
  • Beratung zu Nachqualifizierung, Validierung und Anerkennung
  • Vernetzung von Unternehmen in vertrauensvollen Räumen
  • Transparenz über Qualifikationen und Übergangsmöglichkeiten

„Übergänge organisieren – nicht Brüche verwalten.“ 

Was braucht es für eine funktionierende Arbeitsmarktdrehscheibe?

Die Pandeistinnen und Panelisten waren sich einig:

  1. Commitment der Unternehmen – besonders der abgebenden
  2. Vertrauen zwischen allen Akteuren
  3. Klarer regionaler Bedarf (Welche Berufe? Welche Qualifikationen?)
  4. Pilotprojekte statt Großkonzepte
  5. Individuelle Beratung für Unternehmen und Beschäftigte
  6. Teilqualifikationen als flexibles Werkzeug

Fazit:

Die Veranstaltung zeigte: Teilqualifikationen und regionale Arbeitsmarktdrehscheiben sind zentrale Bausteine, um Transformation sozial verträglich zu gestalten und dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.

Sie schaffen Perspektiven für Beschäftigte, sichern Fachkräfte für Unternehmen und stärken.

Mehr zum Projekt "Chancen Nutzen" mit TQ! erfahren Sie hier.

© DIHK Service GmbH

Kontakt

Sofie Geisel Geschäftsführerin