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Miteinander – füreinander – zum Bündnis des Monats

© Goldenstedter Bündnis für Familie e.V.

Das Familienbündnis der niedersächsischen Gemeinde Goldenstedt trägt dazu bei, dass Geflüchtete sich seit 2015 gut aufgenommen fühlen und integriert werden – und das fast ausschließlich ehrenamtlich. Das Erfolgsrezept ist damals wie aktuell bei den ukrainischen Familien gleich: Hauptamt und Ehrenamt arbeiten sehr eng zusammen und schaffen viele und vor allem passgenaue Angebote.

So viel Einsatz für Familien und für die Integration und Willkommenskultur wird belohnt – das Bundesfamilienministerium zeichnet das Familienbündnis Goldenstedt als Bündnis des Monats August aus.

Engagement für Familien mit und ohne Fluchtgeschichte

Seit Kriegsbeginn bis Juli 2022 kamen rund 1700 Menschen aus der Ukraine im Landkreis Vechta an – sehr viele davon sind bei den knapp 10 000 Einwohnerinnen und Einwohnern Goldenstedts untergebracht. Die Geflüchteten und deren Gastgebende erhielten von ehrenamtlichen Aktiven der Flüchtlingshilfe Goldenstedt erste Informationen über die Angebote für Familien, organisiert vom Bündnis und dessen Kooperationspartnerinnen und -partnern. Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, die schon länger in Goldenstedt leben, halfen und helfen beim Dolmetschen. „Ganz wichtig ist uns dabei, dass wir alle Familien gleich behandeln. Egal, woher sie kommen und seit wann sie hier Schutz suchen müssen. Natürlich sind alle Angebote explizit auch für Familien ohne Fluchtgeschichte offen. Unser Ziel ist immer, dass alle sich kennenlernen und Kontakte knüpfen“, sagt die Sozialarbeiterin Anette Wilke von der Flüchtlingsberatung der Caritas, die das örtliche Flüchtlingsheim betreibt und eine wichtige Kooperationspartnerin des Bündnisses ist. „Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass diese Offenheit und dieses Engagement für zukünftige Herausforderungen beibehalten werden. Man sieht einfach, was möglich ist hier bei uns in Goldenstedt.“

Bündnis geht auf besondere Vorerfahrung geflüchteter Familien ein

„Die geflüchteten Familien fühlen sich bei uns gut aufgenommen und respektiert. Als beispielsweise an uns herangetragen wurde, dass die Sirenen der Feuerwehr-Wache die Kinder aus Syrien ängstigten, weil sie sie an die Kriegsereignisse in ihrer Heimat erinnerten, haben wir sofort reagiert, die Sirenen vorübergehend ausgeschaltet und eine Führung der Feuerwehr mit Sirenen-Demonstration für Geflüchtete organisiert. Danach hatten sie nicht mehr so große Angst“, erzählt Waltraud Varelmann, die Bündniskoordinatorin und Mehrgenerationenbeauftragte der Gemeinde.

Vielfältige Angebote fördern Integration vor Ort

Das Bündnis setzt viele Projekte um, die seit Jahren durchgängig gut besucht sind. Dazu zählt das „Internationale Kochen“, bei dem Einheimische mit Schutzsuchenden einmal im Monat gemeinsam kochen. Die Rezepte aus verschiedenen Ländern finden sich in bereits zwei veröffentlichten Kochbüchern wieder, deren Verkaufserlös fließt in gute Zwecke. Weitere Angebote des Familienbündnisses in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe Goldenstedt und dem Caritas-Flüchtlingswohnheim sind

  • Sprachkurse,
  • Hausaufgabenbetreuung,
  • eine WhatsApp-Koordinierungsgruppe für den gegenseitigen Austausch,
  • die Kleiderkammer im Mehrgenerationenhaus,
  • ehrenamtliche Einzelfallhilfe (z. B. Anträge stellen, Behördengänge, Möbelaufbau) und die
  • Spendenkoordination (z. B. Möbel, Schulmaterialien).

Menschen helfen Menschen: Auszeichnung „Gute Tat des Monats“

Seit 2008 können Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Aktionen für die „Gute Tat des Monats“ vorschlagen und anschließend darüber abstimmen. Das ist eine gemeinsame Initiative des Landkreises Vechta, der Gemeinde Goldenstedt, des Familienbündnisses und der Oldenburger-Münsterland-Medien. Unter den Ausgezeichneten ist beispielsweise eine 9-Jährige, die selbst entworfene Armbänder verkaufte und den Erlös von 1500 € für Geflüchtete spendete. Die Jury, bestehend aus Akteurinnen und Akteuren des Bündnisses, übergibt feierlich eine Urkunde sowie ein Preisgeld in Höhe von 100 €, die vom Goldenstedter Bündnis für Familie bezahlt werden. Aus diesen zwölf Auszeichnungen wird dann die „Gute Tat des Jahres“ gewählt, die mit 500 € dotiert ist.

„Gerade in diesen Zeiten geht es mehr denn je um das Miteinander und die Pflege des Zusammenhalts.“

Alfred Kuhlmann, Bürgermeister & Vorsitzender des Goldenstedter Familienbündnisses

Kinderkrippen für Familienfreundlichkeit und Fachkräftegewinn

Bereits 2007, zwei Jahre nach der Gründung des Goldenstedter Bündnisses für Familie e. V., wurde „Ammeri“, die erste Kinderkrippe im Landkreis Vechta, vom Bündnis selbst eröffnet. „Wir haben damals gemerkt, dass auch in unserer Region viele Eltern Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung haben. Also haben wir als eines der ersten Bündnisse die erste Kinderkrippengruppe bei uns in einer alten Grundschule eröffnet“, sagt Alfred Kuhlmann, Bürgermeister und Vorsitzender des Bündnisvereins. Unter gleicher Trägerschaft wurde im Oktober 2018 die zweite Kinderkrippe „Am Park“ eröffnet und konnte so auch vielen geflüchteten Familien direkt nach der Ankunft eine Kinderbetreuung bieten. „Die Krippe unterstützt bis heute die boomende Wirtschaft der Region beim Thema Fachkräftegewinn“, erklärt Kuhlmann.

Mehrgenerationenhaus begrüßt ukrainisches Baby

Das Mehrgenerationenhaus ist ein zentraler Kooperationspartner des Lokalen Bündnisses und organisiert ein regelmäßiges Babybegrüßungstreffen im Rathaus. Dabei empfangen der Bürgermeister und viele weitere Mitglieder des Familienbündnisses junge Eltern und ihren Nachwuchs im Rathaus und heißen sie in der Gemeinde Goldenstedt willkommen. „Wir konnten im Mai sogar schon das erste ukrainische Baby begrüßen, das hier geboren ist“, sagt Alfred Kuhlmann schmunzelnd. Beim großen Familienfrühstück des Mehrgenerationenhauses und bei jährlich stattfindenden Ausflügen kommen alle Generationen und Kulturen zusammen. Das liegt besonders an der guten Vernetzung des Mehrgenerationenhauses und des Bündnisses mit allen Kitas, Schulen und Wohlfahrtsverbänden. „Auch diese Angebote werden von den geflüchteten Familien sehr gut angenommen“, berichtet die stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses, Elisabeth Schneiders.

Überblick über die Angebote des Goldenstedter Bündnisses für Familie



© Goldenstedter Bündnis für Familie e.V.

© Lokale Bündnisse für Familie

Kontakt

Katharina Kirschbaum Projektleiterin | Servicebüro „Lokale Bündnisse für Familie“

Lokale Bündnisse für Familie

Familienfreundlichkeit ist für Unternehmen wie für Standorte ein zentraler Attraktivitätsfaktor. In Regionen, die hier zurückfallen, können Unternehmen nicht nachhaltig erfolgreich sein. Daher unterstützen wir mit unserem Servicebüro die rund 520 lokalen Bündnisse in Deutschland, in denen sich Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung dafür einsetzen, dass Familien vor Ort die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt. Wir sorgen für Austausch und Know-how-Transfer und dafür, dass Informationen, Erfahrungen und die besten Ideen in den Bündnissen geteilt werden –dazu, wie vor Ort gemeinsam Vereinbarkeit und Familienfreundlichkeit praktisch organisiert werden kann.