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Aus Praktika werden Perspektiven

Thüringer Unternehmen und türkische Nachwuchskräfte ziehen positive Bilanz

© BoG

Es geht weiter – so der Tenor zum Abschluss der Praktika von İhsan und İbrahim. Die beiden jungen Männer aus der Türkei haben nun jeweils ihr viermonatiges Praktikum in Gera beendet. Seit Anfang April haben sie in thüringischen Betrieben gearbeitet und sich mit dem deutschen Arbeitsmarkt bekannt gemacht. 

İhsan studiert an der Yeditepe Universität in Istanbul Kraftfahrzeugtechnik und konnte ein viermonatiges Praktikum als Kfz-Mechatroniker beim Autohaus AFA in Gera als Teil seines Studiums absolvieren. Der 22-Jährige ist sehr gut im Team aufgenommen worden und die Ausbilder waren beeindruckt von seinen Deutschkenntnissen, die er während seines Einsatzes noch mit Fachvokabular anreichern konnte. Zum Abschluss seines Praktikums hat er nun einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll“, sagt İhsan über seinen bevorstehenden Neuanfang in Deutschland. Sein Studium in Istanbul wird er parallel beenden.

Ähnlich positiv verlief das Praktikum bei İbrahim. Er studiert Elektrotechnik, an der gleichen Hochschule in Istanbul. Sein Praktikum hat er als Elektriker bei Sicherheitstechnik Liebig & Beese in Gera absolviert und war dort ebenfalls sehr zufrieden. „Ich war viel auf verschiedenen Baustellen auch außerhalb Geras unterwegs. Das war spannend für mich“, so der 23-Jährige. Auch für İbrahim soll es in Deutschland weitergehen – zunächst einmal hat er sein Praktikum um zwei Monate verlängert.  

Von internationalen Erfahrungen profitieren

Beide Betriebe haben bereits Erfahrungen mit der Aufnahme ausländischer Fachkräfte. Marcus Zenner und Kai Pinther vom Autohaus AFA hatten schon öfter Auszubildende beispielsweise aus Spanien und Finnland im Betrieb. „Der Austausch ist eine Bereicherung für uns. Wir lernen jedes Mal etwas Neues“, so Kai Pinther. Und auch Jens Theilig bei Liebing und Beese ist erfahren im Austausch mit internationalen Mitarbeitenden. Bereits vor zehn Jahren hatten sie einen Praktikanten aus Polen vor Ort, der nach seiner Ausbildung in Breslau bei dem Betrieb in Gera als Geselle angefangen hat und seitdem dort tätig ist. 

Initiiert wurden die Praktika von İhsan und İbrahim durch das Projekt „Berufsbildung ohne Grenzen“. Gemeinsam mit der Außenhandelskammer Istanbul und der Yeditepe Universität in Istanbul wurden geeignete Bewerber ausgewählt. Alle Kandidaten verfügten dabei bereits über Deutsch-Grundkenntnisse, viele sprachen die Sprache sogar schon deutlich besser. Das ist auch dem Profil der Universität zu verdanken: Neben der Ausbildung in IT, Kraftfahrtmechanik, Elektrotechnik und Anlagenmechatronik gehört dort auch der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse zum festen Curriculum.

Pilotprojekt erfolgreich beendet 

Eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Praktika in Gera spielte vor Ort der Mobilitätsberater Andreas Jörk von der Handwerkskammer für Ostthüringen. Er vermittelte die Kontakte zu den Betrieben, stand den Teilnehmenden und Betrieben bei Behördengängen beratend zur Seite und kümmerte sich zudem um die Unterbringung der Praktikanten. Sowohl die thüringischen Unternehmen als auch die beiden türkischen Nachwuchskräfte ziehen eine positive Bilanz des Pilotprojektes. Das Ziel, angehenden Absolventen technischer Studiengänge Praxiserfahrungen in deutschen Betrieben zu ermöglichen ist erreicht worden. 

Wir können nun auf die gewonnenen Erfahrungswerte aufbauen und in eine zweite Runde gehen

,so Julia Weber, Projektreferentin in der Koordinierungsstelle von Berufsbildung ohne Grenzen. Das Netzwerk hat sich gefunden und die Geschichten von İhsan und İbrahim sind gelungene Beispiele dafür, wie internationale Fachkräftegewinnung und berufliche Ausbildung zusammenfinden können. 

 

© Berufsbildung ohne Grenzen

Berufsbildung ohne Grenzen

Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung sollen ebenso selbstverständlich werden, wie im Studium. Wie das möglich wird, dazu informieren und beraten unsere betrieblichen Mobilitätsberater*innen bei IHKs und HWKs vor allem KMU. Als Koordinierungsstelle begleiten und unterstützen wir diese Arbeit vor Ort, kümmern uns um den Wissens- und Erfahrungsaustausch im Netzwerk der Mobilitätsberater*innen und unterstützen den internationalen Netzwerkausbau. Dazu arbeiten wir mit Partnern, Betrieben und AHKs rund um den Globus zusammen und leisten einen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung und Internationalisierung der Beruflichen Bildung in Deutschland und der Welt.